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Frischer Wind in der Dr.-Enders-Straße

In der Dr.-Enders-Straße 38 und 40 haben wir erstmals das Verfahren der seriellen Sanierung angewendet. Dabei werden große Teile der neuen Gebäudehülle industriell vorgefertigt 

und anschließend vor Ort montiert. Ziel der Maßnahme war es, die Gebäude energetisch auf einen hohen Stand zu bringen, bestehende Mängel dauerhaft zu beseitigen und den Wohnkomfort spürbar zu verbessern.

Die 32 Wohnungen aus dem Jahr 1967 haben eine Gesamtwohnfläche von über 2.700 Quadratmetern und wurden auf den KfW-Effizienzhausstandard 55 saniert. Der Primärenergiebedarf beträgt nur noch ca. 55 Prozent des Referenzwerts nach dem Gebäudeenergiegesetzes (GEG). Im Vergleich zum Ausgangszustand sank der Primärenergiebedarf der Wohnungen durch den Einsatz von Biomasse statt Öl um 94 Prozent und der CO2-Ausstoß reduzierte sich um bis zu 97 Prozent. 

Ausgangslage: Sanierungsbedarf an der Fassade

Die beiden Wohngebäude stammen ursprünglich aus dem Bestand der Postbaugenossenschaft Hof. Über die Jahre hatten sich vor allem an den vorgehängten Fassaden erhebliche Schäden gezeigt. Dämmmaterial und Holzkonstruktion waren teilweise stark beschädigt.

Im Zuge der Planungen wurde geprüft, welches Sanierungsverfahren für diese Gebäude sinnvoll ist. Über die Deutsche Energie-Agentur kam die Baugenossenschaft Hof schließlich mit dem Konzept der seriellen Sanierung in Kontakt. Nach weiteren Gesprächen entschied man sich für die Zusammenarbeit mit der Firma Niersberger aus Erlangen.

Planung und Vorbereitung der Maßnahme 

Der Bauantrag wurde im Mai 2025 gestellt und bereits im Juli 2025 genehmigt. Parallel dazu erfolgten die Detailplanung sowie eine umfassende Bestandsaufnahme der Gebäude. Dazu gehörten auch Mieterinformationen und Wohnungsbegehungen, die für die weitere Planung notwendig waren.

Im August richtete die Firma Niersberger ihr Baustellenbüro direkt vor Ort im Objekt ein. Ab September begannen die ersten Rückbauarbeiten, unter anderem der Abbruch der alten Balkone und der Brüstungen der Loggien. Im weiteren Verlauf wurden die für die Sanierung relevanten Maße der Gebäude mit einem 3D-Scan erfasst. Diese Aufmaße bildeten die Grundlage für die Planung und Fertigung der neuen Fassadenelemente, die im Oktober von der Firma KMT in Estland produziert wurden.

Montage der neuen Fassade

Ein wesentliches Merkmal der seriellen Sanierung ist der hohe Vorfertigungsgrad: Die neuen Fassadenelemente wurden inklusive Dämmung, Fenstern der Firma Rehau, Rollläden und Anschlüssen angeliefert und vor Ort montiert. Auf ein klassisches Baugerüst konnte verzichtet werden. Stattdessen erfolgte die Montage mithilfe einer Hebebühne und eines zentral eingesetzten Autokrans.

Für den Baustellenbetrieb waren dennoch umfangreiche Vorbereitungen erforderlich. Dazu gehörten unter anderem der Bau einer Baustraße rund um die Gebäude sowie einer Stellfläche für den Autokran. Während die Fassadenelemente produziert wurden, liefen vor Ort zahlreiche vorbereitende Arbeiten, etwa die Verlegung von Leitungen für Rollläden und Glasfaser, die Öffnung des Dachrandes für den Fassadenanschluss sowie die Dämmung der Kellerdecke mit 24 Zentimetern. Außerdem wurden die Fundamente für die Balkone betoniert und die Schwerlastwinkel, auf denen die Fassade abgestützt wird, montiert.

Die Fassadenmontage begann am 19. November 2025 zunächst an der Dr.-Enders-Straße 40, rund zwei Wochen später folgte das Gebäude Nr. 38. Die Montage der Gebäudehüllen konnte jeweils innerhalb eines kurzen Zeitraums abgeschlossen werden, sodass schon vor Weihnachten die komplette Fassade beider Häuser montiert werden konnte.

Energieeffizienz, Technik und sichtbare Verbesserungen

Die neue Gebäudehülle erreicht eine Wandstärke von insgesamt 36 Zentimetern, davon entfallen 28 Zentimeter auf die Dämmung. Zusätzlich wurde der Dachboden mit einer 40 Zentimeter starken Einblasdämmung versehen. Nach Abschluss aller Maßnahmen erfüllen die Gebäude den KfW-55-Standard und liegen damit über den gesetzlichen Anforderungen für Bestandsgebäude. Insgesamt wird eine Energieeinsparung von mehr als 50 Prozent erwartet.

Neben der Fassade wurden weitere technische Maßnahmen umgesetzt: Alte Heizkörper wurden ausgetauscht, die bisherige Ölheizung durch eine Pelletheizung ersetzt, bestehende Heizungsleitungen im Keller wurden zusätzlich gedämmt und eine zentrale Abluftanlage für innenliegende Bäder und Abstellräume wurde auf dem Dach montiert. 

Auch äußerlich haben sich die Gebäude deutlich verändert: Die triste Plattenverkleidung der 60er-Jahre wich einer neuen blauen, horizontalen Fichtenholzfassade. Die früheren Loggien wurden durch neue, vorgebaute Balkone aus Aluminium mit Glasbrüstungen und Glasdächern ersetzt. Durch die baulichen Anpassungen entstanden insgesamt rund 94 Quadratmeter zusätzliche Nutzungsfläche pro Gebäude, was etwa 5 bis 6 Quadratmetern je Wohnung entspricht. Neue Haustüren, Brandschutztüren im Keller und Eingangspodeste runden die Maßnahme ab.

Eine Sanierung dieser Größenordnung ist mit hohen Investitionen verbunden. Die Mieterhöhung beträgt 2 Euro pro Quadratmeter. Mit der Maßnahme werden die Gebäude energetisch deutlich verbessert, technisch auf einen aktuellen Stand gebracht und langfristig für die kommenden Jahre zukunftsfähig aufgestellt.

Erstellt durch unser Auszubildenden-Team